Kenia ist ein atemberaubendes Land, geprägt von landschaftlicher Vielfalt, freundlichen Menschen und tierischem Reichtum. In Teil 2 meiner Blogreihe „Kenia Reise“ erzähle ich dir von meiner Ankunft und meinem Aufenthalt in Nairobi alleine als Frau, nenne dir meine 3 Highlights und lasse dich an meinen Erfahrungen in Nairobi teilhaben.
Inhalte
Der A330 hat soeben zu einer sanften Landung angesetzt. Ich bin da. Ich bin in Nairobi. Heute morgen in der Bahn, selbst am Frankfurter Flughafen schien alles noch weit weg. Jetzt sind meine acht Stunden Schonfrist seit Abflug vorbei.
Bereits während des Fluges tröpfelte es langsam in mein Hirn, dass Deutsch jetzt nicht mehr meine erste Sprache sein würde. Von nun an würde ich auf mein mäßiges Schulenglisch zurückgreifen und die paar Brocken Swahili, die ich zur Vorbereitung auf diese Reise an der VHS gelernt habe.
Nach einiger Wartezeit öffnen sich die Flugzeugtüren. Es geht los. Kenia ich komme! Naja, erst mal muss ich überhaupt in das Land rein, denn es gibt strenge Corona-Kontrollen und ich hoffe, dass ich bei meinem E-Visum alles richtig gemacht habe. Zur Sicherheit habe ich alle Unterlagen analog und digital dabei, man weiß ja nie.
Nachdem wir Passagiere alle Formalitäten bei Einreise erledigt haben, ist die letzte Hürde der Ganz-Körper-Temperatur-Scanner. Wer beim Scanner eine bestimmte Körpertemperatur übersteigt, muss einen PCR-Test machen und in Quarantäne, bis das Ergebnis da ist. Mein Endgegner, vor dem ich mich tatsächlich fürchte.
Da ich auf Flügen immer friere, bin ich noch ziemlich dick in Hoodie, Jacke und Tuch eingepackt. Ich trage mein Gepäck bei mir, habe die Einreiseformalitäten hinter mir und bin ordentlich am Schwitzen. Mein Gesicht glüht und ich wedel mir mit meinen Unterlagen Luft zu. Kurz bevor ich in der eigentlichen Schlange dran bin, winkt mich ein Security-Mann raus zu seinem Scanner. Ich gehe durch … bitte, bitte, bitte … zu hoch! Wir machen das Spiel drei Mal. Und drei Mal übersteigt meine Temperatur um 0,2 Grad die erlaubte Grenze.
Der Security-Mann fragt, was los sei. Ich stotter rum. Erkläre meine hohe Temperatur mit meinen vielen Klamotten, dem Stress und Schwitzen. Schaue ihn flehend an. Hinter uns steht niemand. Der Mann ringt mit sich. Blickt sich um, raunt mir zu, dass ich schnell gehen soll. Du kannst dir meine Erleichterung vorstellen und wenn ich könnte, würde ich ihm heute noch einen Orden dafür verleihen, dass er mir den Start meiner Kenia Reise ermöglicht hat.
Meine Unterkunft in Nairobi war das Kahama Hotel, in das ich mich auch bei meinem nächsten Nairobi-Besuch wieder einbuchen würde. Es ist relativ zentral gelegen, die Menschen, die dort arbeiten, haben das Herz am rechten Fleck und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Außerdem gibt es hoteleigene Taxis, die ich als überaus vertrauenswürdig empfunden und regelmäßig genutzt habe. Auch über die Leistung des Hotels hinaus.
Währung in Nairobi bzw. in Kenia ist der Kenya-Shilling (KES), aber auch US-Dollar wird akzeptiert, besonders in Hotels oder Lodges. 1 US-Dollar entspricht aktuell (Stand 10/2022) 120 KES. Zu meiner Zeit in Nairobi entsprach 1 Dollar im täglichen Leben und auf der Straße einfachheitshalber 100 Shilling.
Mein Tipp für dich: Trag immer kleine Scheine von 100 oder 200 Shilling griffbereit in der Tasche, um Trinkgeld geben zu können oder zahlungsbereit zu sein, ohne lange nach Geld kramen zu müssen. Große Scheine werden zudem nicht gerne genommen oder können nicht gewechselt werden, wenn du zum Beispiel auf Märkten unterwegs bist.
Bezüglich des Trinkgelds fragte mich ein Gärtner in einem Hotel, ob ich ihm einen US-Dollar in Shilling tauschen könnte – für mich ein Hinweis dafür, dass die Nationalwährung beliebter und gängiger ist als der Dollar.
In Nairobi gibt es im Zentrum überall Geldautomaten, an denen du Kenya-Shilling, keine Dollars, abheben kannst. Wenn du nicht bar zahlen möchtest, mach es wie die Kenianer: Zahl bargeldlos über dein Mobiltelefon, zum Beispiel mit MPESA. Fast jeder nutzt es dort, denn für diesen Service benötigt man nicht einmal ein reguläres Bankkonto.
In Nairobi leben rund 4,4 Millionen Menschen (Stand 2019).
Obwohl ich alleine als Frau in Nairobi unterwegs war, habe ich mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Im Gegenteil. Das lag an verschiedenen Punkten: Zum einen habe ich mich (meistens) an die Empfehlungen des Auswärtigen Amtes gehalten, zum Beispiel nicht nach Einbruch der Dunkelheit rausgehen, keine Wertsachen offen herumtragen oder öffentliche Gebäude fotografieren, was Ärger mit der Polizei geben könnte. Zum anderen haben die Angestellten im Hotel auf mich aufgepasst und mir Tipps gegeben.
Auch Corona war kein großes Thema bis auf Maskenpflicht und regelmäßiges Temperaturmessen, zudem bin ich geimpft. Die meisten Menschen sind mir überaus freundlich und offen begegnet. Es gilt aber, unbedingt auf das eigene Bauchgefühl zu hören und gesunden Menschenverstand walten zu lassen.
Dennoch sind mögliche Sorgen nicht unbegründet. Nairobi war bereits Ziel mehrerer islamistischer Anschläge und das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen an die somalische Grenze wegen terroristischer Aktivitäten ab.
In Nairobi bzw. in Kenia ist Swahili die Nationalsprache, die Amtssprache ist Englisch. Hinzu kommen zahlreiche weitere Sprachen, denn wusstest du, dass in Kenia mehr als 40 verschiedene Volksgruppen leben, die jede zusätzlich ihre eigene Sprache spricht?
Bevor ich nach Kenia gefahren bin, habe ich einen Swahili Kurs absolviert. In Nairobi habe ich gelernt, dass dort ein Slang, eine Art Dialekt gesprochen wird, während in Mombasa das sehr klare Swahili gesprochen wird, wie ich es gelernt habe.
Nairobi hat so viel zu bieten! Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Nairobi sind sicherlich:
Zudem gibt es so viele Ausflugsmöglichkeiten, etwa zu den Ngong Hills, Teeplantagen, den verschiedenen Seen. Du kannst Stadttouren machen, von denen ich dir ganz besonders die Nai Nami Tour ans Herz lege. Hier bist du mit ehemaligen Straßenkindern unterwegs, die mit dir Downtown gehen. Sie erzählen dir ihre Geschichte, zeigen dir, wo sie auf der Straße gelebt und überlebt haben und du lernst ein authentisches Stück von Nairobi kennen. Mir ging es mitten ins Herz und ist mir von allen Erlebnissen am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben.
Nach einer kurzen, kalten und sehr unruhigen ersten Nacht in Nairobi wache ich morgens auf. Von draußen dringt Straßenlärm ins Zimmer, ich nehme den Duft von verbranntem Holz wahr, den ich erst später als Abgase der Autos einordnen kann.
Für heute habe ich mir vorgenommen, das Zentrum zu Fuß zu erkunden und eine SIM-Karte für mein Handy zu kaufen. Das sollte doch machbar sein. Aber erst gibt es Frühstück. Ich gehe herunter, begrüße die Jungs, die heute Dienst haben, mit einem „habari za asubuhi“ (= guten Morgen).
Nach dem Frühstück schaue mir die Karte der Stadt noch einmal an und frage an der Rezeption nach dem Weg sowie nach einem guten Mobilfunkanbieter. Matthew (so nenne ich ihn hier, um seine Identität zu schützen) scheint besorgt und überrascht, dass ich alleine losziehen will.
So bekomme ich eine genaue Anweisung, wie ich mich zu verhalten habe: nicht mit Fremden reden und mitgehen und wenn ich jemandem nach dem Weg frage, dann nur Wachmänner, die vor Banken und Hotels stehen. Dann drückt er mir die Nummer des Hotels in die Hand mit dem nachdrücklichen Hinweis, dass ich mich sofort melden soll, wenn etwas ist, und den Namen des Mobilfunkanbieters, zu dem ich gehen soll.
So ziehe ich los. Mutig und stolz. Eine Abenteurerin. Und fühle mich klein und überfordert in dem Moment als ich auf der Straße vor dem Hotel stehe. Linksverkehr. Straßenstände. Stau, nein, Verkehrskollaps. Matatus. Motorräder, die sich wahnwitzig durch jeden Spalt zwängen. Physikalisch unmöglich! Ampeln sind hier lediglich eine freundliche Empfehlung. Die Sonne brennt herab. Ich ziehe als einzige Weiße alle Blicke auf mich. Menschen grüßen, sprechen mich an, einige auf Swahili, den Standard-Smalltalk bekomme ich sogar hin. Ich höre hier und da „Mzungu“, was Weißer oder Fremder bedeutet.
Nach zwanzig Minuten fühle ich mich verloren, weiß nicht mehr, ob ich richtig bin. Auf der Karte sieht die Straßenführung in Nairobi so einfach aus, aber ich habe sie in der Woche, die ich dort war, nie verstanden und bin aufs Taxi umgestiegen. Ein Wachmann vor einem Hotel sieht meine Verwirrung und fragt, ob er mir helfen kann. Er erklärt mir den Weg und ich bahne ihn mir weiter.
Zwischendrin passiere ich
Kreuzungen, was ein echtes Abenteuer ist, wenn man sich in Deutschland brav an rote Ampeln hält. In Nairobi muss jeder seinen
eigenen Rhythmus finden, um lebend über die vielbefahrenen Straßen zu kommen. Zuerst habe ich versucht, mich an anderen Passanten zu orientieren, aber auch hier habe ich gelernt: Nur mit eigenem Rhythmus schafft man es, sich mehr oder weniger souverän zwischen den Autos durchzumanövrieren.
Als ich zum zweiten Mal etwas verloren bin, spricht mich ein geschäftstüchtiger Händler an, der mir einige Straßen weiter seinen Stand zeigen will. Ich lehne dankend ab, doch er ist hartnäckig. Matthews Worte ignorierend sage ich ihm, dass ich zum Safaricom-Shop müsse, weil ich eine SIM-Karte brauche. Er nimmt mich am Arm und begleitet mich dorthin. Das habe ich vor meine Abreise im Internet gelesen: Fragst du in Kenia nach dem Weg, kann es passieren, dass dich die Leute am Arm nehmen und dich zum Ziel begleiten. Das ist mir mehrmals passiert.
In diesem Fall ist es zu viel des Guten, denn wie gesagt: Der Mann ist sehr geschäftstüchtig. Am Safaricom-Shop angekommen, drücke ich ihm ein kleines Trinkgeld als Dankeschön in die Hand, aber er geht nicht. Er möchte wahlweise auf mich warten, damit ich zu seinem Marktstand mitkomme, oder mein Guide in Nairobi sein. Wir diskutieren bestimmt zehn Minuten und als ich denke, dass ich ihn endlich los bin, kommt er wieder zurück. Vielleicht wollte Matthew mich vor Begegnungen wie diesen warnen.
Und so lerne ich Lektion 1 an Tag 1: Deutlich nein sagen und auf mein Bauchgefühl hören, denn das murrte schon, als der Händler da war.
Im Safaricom-Shop ist es ein Selbstläufer. Ich kann zwischen verschiedenen Guthaben wählen, die Verkäufer richten mir alles ein, auf Wunsch hätte ich auch MPESA nutzen können und schon bin ich mit meinem Smartphone wieder an die Außenwelt angebunden.
Und das kann ich schon vorwegnehmen: Das Mobilfunknetz in Kenia ist 10.000 Mal besser als in Deutschland. Selbst in der Massai Mara oder in Amboseli – also im Nirgendwo – hatte ich zu 97 Prozent immer Empfang. Sollte es dich nach Kenia verschlagen, kann ich dir nur empfehlen, eine SIM-Karte für dein Smartphone zu besorgen.
In Nairobi habe ich typisches Touri-Programm unternommen: zum Beispiel eine Fahrt durch den Nairobi Nationalpark, Giraffen im Giraffe Centre füttern oder das National Museum besuchen. Diese Dinge gehören bei einem Besuch einfach dazu, aber wie oben bereits erwähnt, hat Nairobi so viel mehr zu bieten. Für mich waren es tatsächlich die Dinge abseits der typischen Touristenpfade, die zu meinen Highlights gehören.
Von Nai Nami habe ich bereits weiter oben erzählt. Wenn du in Nairobi bist, solltest du unbedingt eine Tour mit den ehemaligen Straßenkindern machen. Die Rezensionen auf getyourguide sprechen Bände und ich kann es nur bestätigen. Die Jungs, die diese Touren machen, sind unter härtesten Bedingungen groß geworden. Aber sie strahlen so viel Wärme, Herzlichkeit, Freude und Beschützerinstinkt aus, dass ich mich nicht eine Sekunde ängstlich oder unwohl mit ihnen gefühlt habe, obwohl es in Gegenden geht, in die normale Touristen vermutlich nicht gehen würden.
Weil ich so berührt war von der Nai Nami Tour, habe ich meine beiden Guides gefragt, ob wir uns noch einmal treffen können und habe sie privat für eine Slumtour gebucht. Sie holten mich vom Hotel ab und fuhren mit mir in eines der Slums. Du kannst dir vorstellen, dass ich mich unbehaglich fühlte. Das sagte ich den Jungs und fragte, wie ich mich verhalten solle. Sie waren sehr gelassen und sagten einfach „ganz normal“. Es könne höchstens passieren, dass Kinder kommen und gucken.
Wellblechhütten. Teilweise mit Pappe abgedichtet. Betrunkene Männer, die im Müll vor der Hütten saßen. Ungeteerte Straßen mit Schlaglöchern. Meine Guides erzählten mir von Missständen, Schicksalen und ihren sozialen Projekten. Ich wollte nicht vom Auto aus auf die Menschen starren, als wären sie in einem Zoo, doch die Jungs forderten mich auf, genau hinzusehen.
Ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Aber trotz der Armut, die ich gesehen habe, war dieser Tag einer der intensivsten, nachdrücklichsten, spannendsten, authentischsten und teilweise gelassensten, die ich erleben durfte. Es gab drei Tagespunkte:
Meine Guides haben einen
hervorragenden Job gemacht. Sie haben mir
Nairobi von seiner authentischsten Seite gezeigt. Eine Seite, die direkt in mein Herz ging, trotz meiner ständigen Überforderung. Gleichzeitig waren sie Freund und Bodyguard in einem. Ich musste keine Angst haben, denn sie waren bei mir. Ihnen konnte ich zu 100 Prozent vertrauen, dass sie auf mich aufpassen werden.
Eine Oase der Ruhe fand ich mitten in Nairobi: Karura Forest. Hier riecht es nach Eukalyptus, Affen springen zwischen den Bäumen herum, rund 200 Vogelarten leben dort und Schmetterlinge fliegen um dich herum. Der Lärm der Stadt ist vergessen. Der Wald bezirzt dich mit sanften und kräftigen Grüntönen, im Kontrast dazu stehen die ziegelsteinroten Wanderwege, die sich wie ein Netz über den Wald spannen. Karura Forest lässt sich über verschiedene Routen zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Highlight ist der Wasserfall, an dem die Besucher Schlange für Fotos stehen.
Auch historisch ist Karura Forest interessant. Mitte der 1950er Jahre versteckten sich hier die Mau Mau, eine Art Guerilla-Kämpfer, in Höhlen. Sie kämpften gegen die englischen Kolonialherren für ihre Unabhängigkeit. Die Höhlen kann man heute noch besichtigen.
Dass der Wald heute so eine beliebte Attraktion ist, ist nicht selbstverständlich. Ende der 1990er Jahre sollte er an Investoren verkauft und platt gemacht werden. Aber Umweltaktivisten und wütende Bewohner stellten sich am Tag X den Bulldozern entgegen. Die Proteste zeigten zwar Erfolg und Karura Forest blieb erhalten. Doch die Regierung überließ den Wald sich selbst. Was dazu führte, dass er ein Rückzugsort für Räuberbanden und Kriminelle und somit zur Sperrzone für die normale Bevölkerung wurde.
Erst mit der Gründung von „Friends of Karura“ 2009 wurde der Wald wieder für alle zugänglich gemacht. Die Kriminellen wurden vertrieben, die Natur von Müll befreit und das
Naherholungsgebiet eingerichtet, das es heute ist. Die Besucherzahlen auf der Homepage zeigen allerdings, dass es einige Jahre dauerte, bis die Bevölkerung wieder vertrauen fasste: 2011 verzeichnete Karura Forest 47.840 Besucher, in den folgenden Jahren stiegen die Zahlen nur langsam, bis das Vertrauen offenbar zurück war. 2019 waren es 432.306 Besucher. 73,49 Prozent davon sind übrigens Kenianer.
Wenn auch du den Karura Forest besuchen möchtest, beachte, dass es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Außerdem musst du Eintritt zahlen. Für alle Non-Residents sind es 600 KES (Stand 06/2024). Plastikflaschen sind verboten, ebenso das Füttern von wilden Tieren, das Zerstören von Pflanzen, Rauchen, Lärm oder laute Musik. Aber ich denke, das versteht sich von allein, erst recht wenn man um die Geschichte dieses wundervollen Waldes weiß.
Ohne Vorbereitung nach Nairobi bzw. Kenia zu reisen, ist leichtsinnig. Du solltest dich mindestens über die aktuelle politische Lage und Sicherheitsbestimmungen beim Auswärtigen Amt informieren. Doch auch bei sorgfältiger Vorbereitung kann man nicht alles vorher wissen. Vieles macht den Reiz aus, bei manchen Dingen hätte ich es gerne vorher gewusst, um beispielsweise Zeit, Geld und Stress zu sparen. Zum Beispiel:
Mein Hotel in Nairobi hatte einen lizenzierten Taxi-Fuhrpark. Dort lernte ich Paul kennen (auch dieser Name ist zum Schutz seiner Identität geändert), dem ich vom ersten Moment an vertraute. Ich buchte ihn von nun an für jede Tour. Auch dann, wenn ich nur zwischen zwei Flügen in Nairobi war und von einem Flughafen zum anderen musste.
Paul bot sich automatisch als mein Guide an und zeigte mir Plätze in Nairobi, die ich ohne ihn nicht kennengelernt hätte. Zudem stellte sich heraus, dass er als lizenzierter Taxifahrer (ich hoffe, da habe ich ihn richtig verstanden) überall freien Eintritt hatte, weil er auch als Guide mitgehen durfte. Hätte ich das eher gewusst, hätte ich ein sehr hohes Lehrgeld sparen können, das ich für andere touristische Aktivitäten mit Guide ausgegeben habe.
Hier spielt meine Erfahrung mit Paul rein, denn natürlich kannst du in Nairobi auch mit Uber fahren. Für mich persönlich war die Variante mit dem persönlichen Kontakt die beste. Ich hätte mir keinen besseren, geduldigeren, zuverlässigeren, netteren Taxifahrer wünschen können. Ich konnte mich darauf verlassen, dass
er da war, wenn ich ihn brauchte. Die Preise waren immer fair und wir haben uns gegenseitig vertraut, dass der eine den anderen nicht übers Ohr hauen würde. Wenn du nach Nairobi fliegst und einen zuverlässigen Taxifahrer brauchst, melde dich gerne bei mir, dann vermittele ich dir Pauls Kontakt.
Kurz nach meiner Ankunft in Nairobi fragte ich in meiner Unterkunft nach Aktivitäten, die ich buchen könne. Man bestellte einen Tour-Manager ein, bei dem ich zu überteuerten Preisen zwei Tagestouren buchte: einmal den Nairobi-Nationalpark in Kombination mit dem Giraffe Centre und für einen anderen Tag Karura Forest und Nairobi National Museum. Erst bei dem zweiten Paket habe ich mich getraut zu handeln und selbst das war noch überteuert – vor allem weil ich gerade dieses mit Hilfe von Paul hätte machen können, wie ich später wusste.
Der zweite Tag war insofern schwierig, weil ich einen Fahrer hatte, der im Auto auf mich wartete, während ich im Karura Forest und im National Museum war. Das setzte mich innerlich unheimlich unter Druck und ich hetzte mehr, als dass ich schlenderte, was besonders für den wunderschönen Karura Forest schade war. Das war teures Lehrgeld, weil ich es eigentlich besser wusste und schon in Deutschland recherchiert hatte, dass der Eintritt nicht so teuer war. Für die zwei Tagesausflüge habe ich rund 350 Euro bezahlt.
Zwar wusste ich schon vorher, dass Handeln in Kenia Usus ist, aber nur in der Theorie. Deshalb: Trau dich zu handeln! Leider bin ich bei so etwas sehr schlecht und muss mich dazu überwinden oder teures Lehrgeld zahlen, wie du bei Punkt 3 gesehen hast. Aber in Nairobi bzw. Kenia ist das normal.
Die Menschen in Kenia sind sehr freundlich, aber auch geschäftstüchtig. Die Männer sind teilweise flott darin zu sagen „Ich liebe dich“. Ich bin ein sehr freundlicher Mensch, aber ich musste schnell lernen, sehr deutlich nein zu sagen. Das sagten mir auch Kenianer, dass ich das lernen muss. Sei nicht respektlos und ignorant, wenn du nach Kenia fliegst, aber sei bestimmt, wenn du etwas nicht möchtest. Besonders, wenn du alleine reist als Frau.
Du hast Fragen zu Kenia und suchst nach Reisetipps und praktischen Hinweisen? Dann findest du vielleicht hilfreiche Infos in meinem Blogbeitrag "Kenia: Reisetipps, Hinweise und eigene Erfahrungen".
Nairobi war meine erste Station auf meiner vierwöchigen Kenia Reise. Die Intention meiner Reise war raus aus Köln, raus aus der Stadt, rein in die Natur, ins Ursprüngliche. Dennoch habe ich mich entschieden, eine Woche in Nairobi zu verbringen. Tatsächlich aus rein pragmatischen Gründen: Von all meinen Stationen war Nairobi der günstigste Aufenthalt und ich wollte so lange wie möglich in Kenia bleiben. Nairobi hat einiges zu bieten, bei der Reiseplanung dachte ich, wenn es mir gar nicht gefällt oder ich zu ängstlich bin, werde ich mich eine Woche im Hotelzimmer einschließen.
Doch Nairobi hat mich in seinen Bann gezogen. Auf vielfältige Weise. Nairobi hat mich überfordert. Nairobi hat mir einen ordentlichen Kulturschock verpasst, der jedoch einkalkuliert war. Nairobis Verkehr und die andauernden Staus, außer am Sonntag, machten mich atemlos. Die Luft ist verseucht von den alten Autos, die wir aus aller Welt nach Kenia ausrangieren. Ich war eine Fremde und doch mittendrin. Nairobi war intensiv, abenteuerlich, gegensätzlich, aufregend, faszinierend. Über der Stadt kreisen Marabus. Arm und reich existieren nebeneinander. Hier ist noch das Bankenviertel, ein paar Ecken weiter stehen die Straßenhändler.
Ich fühlte mich andauernd überfordert und doch habe ich mich nach wenigen Tagen angekommen gefühlt. Als meine Woche rum war und ich mit Paul zum Lake Naivasha aufbrach, musste ich weinen. Ich wollte nicht weg. Vielleicht fürchtete ich mich vor dem neuen Ort. Neue Menschen, neue Herausforderungen. Aber ich hatte in einer Woche viele Freunde und Menschen kennengelernt, die ich nicht zurücklassen wollte. Irgendwie war ich mit Nairobi noch nicht fertig. Nairobi hat es ganz unerwartet mitten in mein Herz geschafft.
Über mich
Hey, ich bin Katrin, schön, dass du auf meinem kleinen Reiseblog gelandet bist. Ich bin leidenschaftlich gerne unterwegs, liebe es, neue Menschen und Orte kennenzulernen und immer wieder ein bisschen mehr von mir selbst. Der Blog richtet sich an alle, die gerne alleine reisen oder es einfach mal ausprobieren wollen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern.
Das findest du auf meinem Blog
Neueste Beiträge
Kontakt:
Ich freue mich auf deine Nachricht und bin offen für Rückfragen, Feedback, Kritik und Anregungen.
© 2022 - 2025 Alle Rechte vorbehalten
Sommersonnenmädchen | Impressum
|
Datenschutz