Meine 11 Learnings aus dem Alleinreisen
Alleinreisen als Frau ist mitunter ein stetiges Lernen und Optimieren. Niemand ist vor Fehlern und Fettnäpfchen gefeit und ich ganz bestimmt nicht. Einige meiner praktischen Learnings als Alleinreisende gebe ich dir mit auf den Weg. Vielleicht helfen sie dir weiter, vielleicht hast du aber schon längst eigene MacGyver-Skills für deine Reisen entwickelt.
Inhalte
- 1. Nicht zu viel einpacken
- 2. Nicht nachts ankommen
- 3. Nicht zu viel einplanen
- 4. Nicht zu wenig einplanen
- 5. Nicht unter Druck setzen
- 6. Über Verkehrsmittel informieren
- 7. Erscheinungsbild
- 8. Nein sagen können
- 9. Unsicherheit nicht zeigen
- 10. Gefahren ernst nehmen
- 11. Keine überzogenen Erwartungen
- Jeder lernt aus seinen Fehlern
Learning 1: Nicht zu viel einpacken
Bis vor ein paar Jahren hatte ich immer meinen großer Koffer dabei, der für alle Eventualitäten gewappnet und mit genügend Outfit-Möglichkeiten bestückt war. Mittlerweile versuche ich grundsätzlich mit so wenig Gepäck und so pragmatisch wie möglich zu reisen, egal, ob ich mehrere Wochen unterwegs bin oder nur für ein Wochenende zu meinen Eltern fahre.
Zum einen schleppe ich weniger Gewicht mit mir herum. Zum anderen bin ich als Alleinreisende
für mein Gepäck verantwortlich. Ich habe niemanden, der mal eben aufpassen kann, während ich schnell zur Toilette oder zum Bäcker gehe. Am Flughafen kann es sogar problematisch sein, Fremde zu bitten kurz aufzupassen, da diese beispielsweise zum Schalter gerufen werden können – schwupps, schon ist das Gepäck unbeaufsichtigt. Und wir wissen ja alle, was unbeaufsichtigtes Gepäck am Flughafen bedeutet … Je weniger und leichter ich packe, desto besser komme ich unterwegs klar.
Learning 2: Nicht nachts am Zielort ankommen
Wenn möglich vermeide ich es, spät abends bzw. nachts an meiner Zieldestination anzukommen. Für alleinreisende Frauen ist es je nach Ort unsicherer, es fahren weniger Verkehrsmittel und nicht überall gibt es einen 24-Stunden-Check-in. Außerdem nutze ich persönlich den Anreisetag gerne für eine erste Akklimatisierung - diese Zeit fehlt mir, wenn ich erst sehr spät ankomme. Falls es sich nicht vermeiden lässt, buche ich beispielsweise vorab einen Flughafentransfer und erkundige mich im Hotel, bis wann der Check-in möglich ist. Häufig wird bei der Buchung die voraussichtliche Ankunftszeit abgefragt.
Learning 3: Nicht zu viele Aktivitäten einplanen
Am liebsten möchte ich gefühlt alles in einer unbekannten Stadt oder einem fremden Land erleben und sehen. Vielleicht kennst du das auch oder du bist jemand, der einen durchgetakteten, vollgepackten Tag braucht. Ich habe für mich gelernt: Lieber etwas weniger durchtakten. Denn Spoiler: Es klappt nicht immer alles, wenn man (alleine) unterwegs ist. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich gerne Zeit an Orten verbringe und nicht durchhetzen möchte.
Trotz meines Wunsches, viel zu sehen, bin ich gerne entspannt unterwegs. Deswegen nehme ich mir je nach Aufwand
ein bis drei Sachen für den Tag vor und habe einen Puffer, falls es beispielsweise Verspätungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt, es vor Ort sehr voll ist oder was auch immer dazwischen kommen kann. Im schlimmsten Fall löst Situation X einen Dominoeffekt aus, sodass meine gesamte Planung hinüber ist. Ich persönlich plane gerne für den Vormittag und späten Nachmittag und liebe es, während der Mittagszeit in meiner Unterkunft zu ruhen.
Learning 4: Nicht zu wenig Aktivitäten einplanen
Auch zu wenig Aktivitäten zu planen und sich nicht zu informieren kann zur Stolperfalle werden. Beispielsweise muss man an einigen Sehenswürdigkeiten Tickets und Timeslots im Voraus buchen. Da ist leider wenig Raum für Spontaneität. Wenn man Pech hat, verpasst man unterwegs tolle Sachen, weil man nicht wusste, dass es sie gibt, was mir immer mal wieder passiert. Auf der anderen Seite entdeckt man gerade dann schöne Orte, wenn man sich treiben lässt.
Ein gewisses Maß an Planung kann dabei helfen, sich weniger einsam zu fühlen, falls das für manche ein Problem sein sollte. Man ist abgelenkt, muss von A nach B kommen und ist mit seinen Aktivitäten beschäftigt, statt in der Unterkunft zu sitzen und zu überlegen, was man unternehmen könnte. Oder schlimmer noch: ins Grübeln zu kommen und sich einsam zu fühlen.
In meinem allerersten viertägigen Solo-Urlaub auf Mallorca, in Port de Sóller, habe ich genau diesen Fehler gemacht. Man kann sagen: Ich habe mich mäßig vorbereitet, wusste nur wenig mit mir anzufangen und reiste mit kleinem Budget, wodurch ich mich eingeschränkt fühlte. Einen Tag fuhr ich nach Palma, die anderen Tage hing ich in Port de Sóller rum, wusste nicht so richtig, was ich machen sollte
und fühlte mich einsam und deplatziert. Erst am letzten Tag bin ich auf die Idee gekommen, dass ich ja mal zum nahegelegenen Leuchtturm gehen könnte, und es hat sich wirklich gelohnt. Aus heutiger Sicht würde ich definitiv vieles ganz anders machen.
Learning 5: Mich selbst nicht unter Druck setzen
Wenn ich auf einem Solo-Trip bin, möchte ich viel erleben, die Zeit so gut es geht nutzen. Aber ich weiß mittlerweile, dass mein innerer Akku irgendwann leer ist, meine Füße wehtun und ich nichts gegen einen Abend oder eine Siesta im Hotel hätte. Und das gönne ich mir! Jede Reise ist auch mit Anstrengung verbunden. Man ist permanent neuen Reizen ausgesetzt, ständig auf Achse und für alles verantwortlich. Das ist anstrengend, gerade für Menschen wie mich mit einem introvertierten Wesen. Damit ich möglichst viel von meinem Urlaub oder meiner Reise habe, brauche ich Pausen. Ich baue mir grundsätzlich welche ein, wie du bei Punkt 3 gelesen hast.
Als ich im Frühjahr 2023 Urlaub auf Sizilien machte, war ich getrieben von falschem Stolz und Ehrgeiz. Einige Wochen bevor ich geflogen bin, hat mich Corona übel erwischt und ziemlich plattgemacht. Aber auf keinen Fall wollte ich meinen Urlaub verschieben. Also flog ich zwar genesen, aber ziemlich geschwächt nach
Catania und wollte mir selbst beweisen, wie fit ich doch bin. Doch ich war es eben nicht.
Ich hätte Sizilien viel mehr genießen können, wenn ich mich innerlich nicht ständig angetrieben und unter Druck gesetzt hätte. Warum ich so drauf war, kann ich nicht sagen, zumal ich ja für jede Pause zu haben bin. Ein Fall von falschem Stolz. Tu dir das bitte nicht an.

Learning 6: Über Verkehrsmittel informieren
Vor einer Abreise informiere ich mich immer über die öffentlichen Verkehrsmittel in meinem Zielort, da ich kein Auto fahre (bin seit Jahren nicht mehr gefahren und daher zu unsicher). Das heißt: Gibt es überhaupt gute Verbindungen? Wie komme ich von A nach B? Was kostet ggf. ein Taxi? Wie kann ich bezahlen? Fahren Busse, Züge oder Privatshuttle?
Bevor ich also irgendetwas buche, prüfe ich immer,
ob und wie ich mich in der Stadt und zwischen den Orten fortbewegen kann, damit ich nicht festhänge oder zu lange Anfahrtswege habe. Zugegeben: Nicht immer ist ÖPNV beste Lösung und ein Mietwagen wäre manchmal eine flexibere Lösung.
Learning 7: Erscheinungsbild
Als alleinreisende Frau ziehe ich je nach Reiseland mehr oder weniger Aufmerksamkeit auf mich. Das gilt für Diebe, Trickbetrüger, geschäftstüchtige, heiratswillige Männer etc. Diese Aufmerksamkeit möchte ich nicht durch meine Kleidung, mein Verhalten oder wertvolle Gegenstände verstärken. Deshalb passe ich mich den örtlichen Gegebenheiten bestmöglich an. Nicht nur, um weniger aufzufallen, sondern auch aus Respekt gegenüber den Einheimischen. Selbst in europäischen Ländern ist es nicht gern gesehen, wenn Touristen beispielsweise in Badebekleidung abseits des Strandes herumlaufen.
Auch trage ich je nach Region nicht meine Kamera offen zur Schau oder verzichte auf Taschen, Schmuck etc. Bitte mache keinen Solo-Trip und wirke dabei wie eine naive Touristin, die sich leicht über den Tisch ziehen oder verführen lässt.
Learning 8: Nein sagen können
Zu meinen großen Schwächen gehört, dass ich nur schwer Nein sagen kann. Mir ist auf Reisen immer wieder schmerzlich bewusst geworden, dass ich es lernen muss. Meine Freundlichkeit wurde zu häufig von Mitreisenden in Reisegruppen nicht wertgeschätzt oder von Händlern und Bekanntschaften ausgenutzt.
Ich rate dir dringend, “fließend Nein zu sprechen”. Falls du es so wie ich nicht gut kannst, ist es wohl mehr oder weniger tröstlich zu wissen, dass du es mit jeder Soloreise ein bisschen besser können wirst. Manchmal hilft auch höfliche Ignoranz oder einfach weiterlaufen, wenn du nicht mit jemandem reden willst. Es ist ein bisschen wie in Deutschland, wenn du dich nicht von einer Person anquatschen lassen möchtest, die dir in der Fußgängerzone an ihrem Stand eine Unterschrift abnötigen möchte.
In Mombasa wollte mich beispielsweise ein Taxifahrer eines Hotels doppelt abkassieren. Wie bin ich froh, dass ich da rigoros Nein gesagt habe, obwohl er das bis an die Rezeption gebracht hat. Am Ende war die gesamte Situation zwar extrem unangenehm, aber ich musste nur die vereinbarte Fahrt vom Flughafen zum Hotel zahlen.

Learning 9: Nicht zeigen, dass man unsicher ist
Es gibt Orte, an denen ich mich alleine als Frau sicherer fortbewegen kann als an anderen. Manchmal kommt ein subjektives Gefühl der Unsicherheit und Angst hinzu. Es ist leichter gesagt als getan, doch dann versuche ich, mir meine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen. Ich möchte keine Unsicherheit ausstrahlen, weil ich glaube, dass andere Menschen sie sehen können. Wer nichts Gutes im Schilde führt oder mir etwas andrehen will, sieht mich eher als leichte Beute.
Was mache ich in solch einer Situation? Ich straffe die Schultern, hebe den Kopf und laufe aufgerichteter als sonst, aber nicht hektisch. Ich tue so, als ob ich alles im Griff hätte. Ich weiß noch, wie klein und verloren ich mich gefühlt habe, als ich in Nairobi vom Hotel alleine ins City Center gelaufen bin. Doch ich habe mich zielgerichtet und selbstbewusst gegeben. Erst als ich anfing zu suchen, stehen blieb und total verwirrt war, wurde ich zuerst von einem Wachmann und dann von einem sehr aufdringlichen Straßenhändler angesprochen, den ich nicht mehr loswurde.

Learning 10: Gefahren ernst nehmen
Vor allem als alleinreisende Frau gilt: Gefahren ernst nehmen! Das Bauchgefühl ist der erste wichtige Indikator. Wenn mir Einheimische bestimmte Tipps für meine Sicherheit mit auf den Weg geben, beachte ich diese, denn sie kennen sich als Locals am besten aus. Wenn ich vor meiner Abreise von Krisen in meinem Zielland höre, informiere ich mich. Wenn ich unterwegs jemanden kennenlerne, der sofort von Liebe spricht, dann ist vielleicht genau das der richtige Zeitpunkt, um das Weite zu suchen.
In
Südafrika war ich mit einem Kollegen in Gqeberha, ehemals Port Elizabeth, zu Fuß unterwegs. In der Stadt wurde ich von einer fremden Frau angesprochen. Sie sah nicht, dass ich in Begleitung dort war und war
sichtlich um mich besorgt, denn diese Gegend sei für mich als weiße Frau alleine nicht sicher. Umso beruhigter war sie, dass mein Kollege da war. Zuerst hat mich ihre Ansprache irritiert. Denn die Gegend war sehr belebt, es war vormittags und ich fragte mich, was passieren sollte. Doch sie ist die Einheimische von Gqeberha und weiß Dinge, von denen ich nichts weiß.

Learning 11: Keine überzogenen Erwartungen haben
Diese Erfahrung habe ich schmerzlich in Lissabon machen müssen. Lissabon stand schon lange auf meiner Wunschliste von Städten, die ich mir ansehen wollte. So viel Gutes hatte ich über die Stadt gelesen und ohnehin bin ich ein großer Portugal-Fan. Hinzu kam, dass ich längere Zeit nicht weggeflogen bin und ich wollte, dass mein Urlaub perfekt wird. Und tatsächlich hatte ich einen wunderschönen Urlaub, in dem ich mir verschiedene Orte in Portugal angesehen habe. Nun war es einfach Pech, dass Lissabon wirklich verregnet war und Unwetter über die Stadt zogen, als ich dort war. Regen, Unwetter, aber auch dadurch genervte Menschen und so viele Kleinigkeiten, die nicht nach meinen Vorstellungen liefen.
Statt es locker zu nehmen oder ins Museum zu gehen, habe ich mich meinem Frust hingegeben und mir dadurch die letzten Tage eines bis dahin wirklich schönen Urlaubs selbst madig gemacht.
Jeder lernt aus seinen Fehlern
Am Ende sind diese Learnings aus meinen Fehlern bzw. meiner Unwissenheit nur ein kleiner Ausschnitt und vor allem persönlicher Natur. Es kann natürlich sein, dass Nein sagen für dich noch nie ein Problem war, du dich nicht über ÖPNV informieren musst, weil du dir vor Ort ein Auto mietest oder dass du gerne mit viel Gepäck reist. Versteh diesen Blogbeitrag als eine Anregung von einer Alleinreisenden für Alleinreisende. Wir haben alle unsere eigenen Baustellen, aber das Schöne ist, dass wir unsere Stolperfallen auf Reisen nicht zu hoch bewerten, sondern es beim nächsten Mal einfach besser machen können.
Da ich auch zukünftig viele Erfahrungen sammeln und mich weiterentwickeln möchte, werden ganz bestimmt noch mehr Learnings aus gesammelten Fehlern und Fettnäpfchen hinzukommen.
Über mich

Hey, ich bin Katrin, schön, dass du auf meinem kleinen Reiseblog gelandet bist. Ich bin leidenschaftlich gerne unterwegs, liebe es, neue Menschen und Orte kennenzulernen und immer wieder ein bisschen mehr von mir selbst. Der Blog richtet sich an alle, die gerne alleine reisen oder es einfach mal ausprobieren wollen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern.
Das findest du auf meinem Blog
- Meine Erfahrungen als Alleinreisende
- Inspiration & Ideen
- Nützliche Tipps
- Echte Erlebnisse, eigene Recherche, keine KI




