Malcesine am Gardasee ist mit seinen knapp 3.600 Einwohnern ein bezaubernder Ort mit mittelalterlichem Kern und eignet sich hervorragend, um es auf eigene Faust zu erkunden. Mich hat die Altstadt sofort verzaubert. Hier berichte ich dir von meinem 3-tägigen Aufenthalt, den Sehenswürdigkeiten und meinen persönlichen Erfahrungen und Eindrücken.
Inhalte
Land: Italien
Lage: Norditalien, Ostufer Gardasee
Einwohner: rund 3.600
Sehenswürdigkeiten & To-dos: u.a. Castello Scaligero, Palazzo dei Capitani, Spaziergang durch die Altstadt, Tagesausflüge in die Umgebung, Monte Baldo, Paragliding
Nice to know:
Mit dem Bus der Linie der 484 fuhr ich von Riva del Garda nach Malcesine. Hier würde ich drei Nächte im gemütlichen Stadthotel Modena übernachten, das mitten in der Altstadt von Malcesine liegt. Malcesine ist ein malerischer Ort im Nordosten des Gardasees, der durch mittelalterliches Flair besticht. Zur Westseite ruht der Gardasee und gibt einen herrlichen Blick auf die Bergkulisse am anderen Ufer frei. Im Osten fußt das kleine Örtchen an das Massiv des Monte Baldo mit seinen über 2.000 Metern Höhe.
Das Wahrzeichen von Malcesines Altstadt ist die Scaligerburg, die über allem wacht. Es gibt Restaurants, Geschäfte, charakteristische Kopfsteinpflasterstraßen sowie viele verwinkelte und schmale Gassen. Hinter jeder Kurve gibt es etwas Neues zu entdecken oder du findest ein weiteres schönes Fotomotiv vom Gardasee. Für mich war es Liebe auf den ersten Blick.
Auch im Hotel wurde ich von herzlichem Personal begrüßt und freundete mich mit der Küchenchefin an. Sie sprach weder Deutsch noch Englisch, ich kein Italienisch und trotzdem gelang die Kommunikation mit übersprudelnder Herzlichkeit, Händen und Füßen. Jeder Gast wurde morgens im Frühstücksraum stets von ihr mit einem warmherzigen „Buongiorno! Come stai? Buon appetito!” und einer einladenden Geste begrüßt.
Malcesine lädt dazu ein, es zu Fuß zu erkunden. Auch als alleinreisende Frau konnte ich mich nach Bauchgefühl und Lust und Laune treiben lassen. In der Innenstadt gibt Sehenswürdigkeiten, die bei einem Besuch dazugehören, wie beispielsweise der Hafen, die Scaligerburg und der Palazzo dei Capitani, den ich jedoch eher zufällig entdeckt habe – wie vermutlich die meisten, die daran vorbeilaufen. Doch der Reihe nach.
Wenn du Malcesine besuchst, kommst du automatisch am Hafen in der Altstadt vorbei. Hier reihen sich Restaurant an Restaurant und Eisladen an Eisladen. Gleichzeitig ist hier die Anlegestelle der Personenfähre plus das Verkaufshäuschen für die Tickets. Anders als viele meine Blogger- und Reisekolleg:innen gehe ich nicht gerne alleine im Restaurant essen. Stattdessen hole ich mir lieber etwas zum Mitnehmen, suche mir eine Sitzgelegenheit und schaue dem Treiben zu. Diese Möglichkeit bot mir auch der Hafen von Malcesine mit seinen vielen Bänken.
Tipp: Von der Anlegestelle aus kannst du den wunderschönen Sonnenuntergang beobachten und bist trotz der zentralen Lage relativ ungestört, da die Menschen in den umliegenden Restaurants verteilt sind.
Gleich an meinem ersten Tag besuchte ich die Scaligerburg, das Castello Scaligero. Es ist das Wahrzeichen und die Sehenswürdigkeit von Malcesine und thront stolz auf einem Felsen über dem kleinen Örtchen. Die Scaliger übernahmen die Burg im 13. Jahrhundert und entwickelten sie stetig weiter, allerdings geht die Geschichte der Burg bis ins sechste Jahrhundert vor Christus, vermutlich sogar weit vorher, zurück.
Heute ist die Scaligerburg ein Museum und Veranstaltungsort. Der Eintritt kostet 7 Euro (Stand: Januar 2025) und ist meiner Meinung nach unbedingt einen Besuch wert. Zunächst bietet sie ein Naturkundemuseum zum Thema Gardasee und Monte Baldo. Wenn dich das nicht interessiert, werden dich spätestens die hübsche, gepflegte Innenanlage und der atemberaubende Blick über den Gardasee überzeugen. Auf der Anlage kannst du durch den Innenhof spazieren, die Wehrgänge entlanggehen und in den Räumlichkeiten Ausstellungsstücke ansehen.
Der 31 Meter hohe Turm ist ebenfalls begehbar und eröffnet einen 360-Grad-Blick über den Gardasee in einer Höhe von 70 Metern. Im Inneren des Burghofes stehen vereinzelt Bänke, die zum Ruhen, Verweilen und Genießen einladen.
Wusstest du, dass Goethe mit der Burg einen denkwürdigen Zwischenfall verband? Während seiner Italienreise war er auch am Gardasee in Malcesine und fertigte eine Zeichnung der Scaligerburg an. Das erregte Aufsehen und die Bewohner hielten ihn für einen österreichischen Spion, der einen möglichen Angriff vorbereitete. Er musste sich vor der Einwohnern und den örtlichen Autoritäten verteidigen – mit Erfolg, denn das Missverständnis klärte sich bald auf. Nachzulesen ist das in Goethes Reisetagebüchern.
Eher zufällig bin ich auf den Palazzo dei Capitani in der Altstadt von Malcesine gestoßen. Als ich am ersten Abend zurück vom Hafen zum Hotel schlenderte, kam ich an einer geradezu unscheinbaren, offenen Tür vorbei. Ich blickte in einen Saal, an dessen Ende ebenfalls eine geöffnete Tür den Blick auf den Gardasee freigab. Ich war neugierig, dachte mir aber, falls es verboten ist hineinzugehen, gebe ich den unwissenden Touri. Als ich den Saal durchquerte, wurde ich sofort in eine andere Zeit zurückversetzt. Hinter den anderen geöffneten Flügeltüren befindet sich ein Garten, der eingerahmt ist von einer zinnenbewehrten Mauer, direkt am Gardasee gelegen. Es gibt einen Zugang zum See, der als frühere Anlegestelle für die „Ganzarina", das Boot des Gouverneurs, genutzt wurde.
Später habe ich gelesen, dass der Palazzo dei Capitani zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert von den Scaligern für ihren Statthalter gebaut, dieser aber durch ein Feuer oder Erdbeben zerstört wurde. Später baute man ihn wieder auf und 1902 erhielt er den Status eines Nationalen Monuments. Die erste Etage ist der Öffentlichkeit nur bei Konzerten, Konferenzen oder Hochzeiten zugänglich.
Der Besuch des Palazzos gehörte nun zu meiner Routine in Malcesine, so sehr faszinierte mich das historische Gebäude mit seinem hübschen Garten mit Seeblick. Und ein bisschen schmunzelte ich darüber, wenn ich auf fragende und neugierige Blicke traf, wenn ich wieder heraustrat oder einen Touristen zögerlich, so wie ich am Anfang, im Eingang stehen sah. Und ja: Der Saal im Erdgeschoss und der Garten sind frei zugänglich.
Malcesine eignet sich wunderbar, um es auf eigene Faust zu entdecken. Ich habe mich durch die Gassen treiben lassen und versucht, mich zu verlaufen. So habe ich auch kleine Juwelen und versteckte Orte abseits des Hafens oder der Scaligerburg gefunden. Da ich ohnehin mit Bus und Bahn am Gardasee unterwegs war, waren meine Füße innerhalb eines Ortes das Fortbewegungsmittel meiner Wahl. Dadurch habe ich zwei erinnerungswürdige Orte erlaufen, die Malcesine für mich persönlich noch besonderer gemacht haben.
Zum einen habe ich mich eines abends einfach durch die Straßen von Malcesine treiben lassen. So habe ich unterhalb der Scaligerburg die kleine Bucht
Spiaggia di Posterna gefunden. Vielleicht eine ehemalige Anlegestelle für Boote der Adeligen? Tatsächlich weiß ich nicht mehr genau, wie ich hierher gefunden habe. Aber hier, unterhalb der Burg, schienen die Häuser und das Kopfsteinpflaster noch wie aus dem 14. Jahrhundert. Nur zweimal kamen Leute herunter, ansonsten hatte ich einen Sonnenuntergang ganz für mich.
Vielleicht nicht unbedingt ein Geheimtipp, aber nicht weniger schön, ist, wenn du Malcesine Richtung Süden verlässt. Ein malerischer Fußweg, Via Lungolago, direkt am Gardasee führt an einer Szenerie vorbei, die Fotografen, Maler und Poeten zu neuen Werken inspirieren würden. Der Blick auf Malcesine aus einiger Entfernung mit der charakteristischen Scaligerburg, die kräftigen Grüntöne der Bäume und die gesamte Bergkulisse samt Wolken wirkten auf mich übermächtig schön. Es mag sicher an der Jahreszeit gelegen haben und möglicherweise daran, dass nach Corona der Tourismus erst wieder angekurbelt werden musste: aber auch hier waren nur sehr wenig Menschen im Vergleich zur Innenstadt unterwegs.
Von Malcesine aus kannst du bequem einen Tagesausflug ins gegenüberliegende Limone sul Garda unternehmen. Es gibt regelmäßige Fährverbindungen mit den öffentlichen Personenfähren, die viele Orte des Gardasees miteinander verbinden. Die Fahrzeit von Malcesine nach Limone beträgt rund 20 Minuten. Eine einzelne Fahrt kostet 6,50 Euro, ein Hin- und Rückfahrtticket entsprechend 13 Euro (Stand: Januar 2025). Ausführliche Infos zu meinem Ausflug findest du in einem separaten Blogartikel.
Ein Ausflug auf den 2.218 Meter hohen Monte Baldo darf bei einem Besuch in Malcesine – oder in der Umgebung – nicht fehlen. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich erleichtert über mein Glück, dass so verhältnismäßig wenig Touristen unterwegs waren, obwohl ich ja selbst einer bin. Doch an diesem Tag, an diesem Ort wurde ich eines Besseren belehrt, denn der Monte Baldo ist ein wahrer Touristenmagnet! Für Wanderer, für Reisegruppen in riesigen Bussen, für Paraglider, für Familien und für mich natürlich.
Der einfachste und schnellste Weg auf den Monte Baldo hinauf führt mit der Seilbahn
Funivia Malcesine, die nur wenige Gehminuten von der Altstadt Malcesine entfernt ist. Alternativ ist er zu Fuß, mit Fahrrad oder – wie ich gelesen habe – von der Etschseite aus auch mit dem Auto zu erreichen.
Ich habe es mir leicht gemacht und die Seilbahn genommen. Auf dem Weg zur Bergstation "Monte Baldo" gibt es zusätzlich die Zwischenstation "San Michele". Tickets gibt es online und sind für alle Stationen in den Varianten Einzelfahrt sowie Berg- und Talfahrt erhältlich. Ein Ticket auf den Monte Baldo mit Rückfahrt ins Tal kostet 25 Euro (Stand: Januar 2025).
Aus drei Gründen empfehle ich dir, es online zu kaufen:
Als ich dort war, war es bereits früh morgens wirklich voll. Zudem war es unübersichtlich, welche Schlange für was ansteht. Ich stand zunächst falsch und hatte aufgrund der langen Wartezeiten kurz die Befürchtung, dass mein Ticket die Gültigkeit verlieren könnte, denn
bei der Online-Buchung musst du dich für einen Time-Slot bezüglich der Abfahrt entscheiden. Vor Ort kannst du das Online-Ticket an einem Automaten scannen und dann eine Einlassschranke passieren. Hast du es endlich geschafft, geht es innerhalb weniger Minuten in den Drehkabinen auf die 1760 Meter hoch gelegene Bergstation des Monte Baldo.
Als gebürtiges Nordlicht hat es mich bisher nie so richtig in die Berge gezogen und der Höchste, auf dem ich war, war bisher der Brocken im Harz. Nun trat ich, oben angekommen, aus der Seilbahnstation und gratulierte mir im Stillen zu dieser neuen Erfahrung. Schön war es hier.
Der Monte Baldo bietet Wanderern und Mountainbikern eine abwechslungsreiche Landschaft und tolle Ausblicke und Paraglidern einen Ort zum Abheben. Im Winter tummeln sich hier Skifahrer und Schneefans und Naturliebhaber finden eine Tier- und Pflanzenwelt vor, die teilweise einzigartig ist. Der Monte Baldo hat keinen ausgezeichneten Gipfel, sondern ist ein Bergmassiv von über 30 Kilometer Länge. So kannst du oben auf dem Massiv entweder einfach die Aussicht genießen und spazieren gehen oder eine der genannten Aktivitäten starten.
Auf dem Plateau gibt es einen kurzen Rundwanderweg, der zum Aussichtspunkt mit Blick auf den Gardasee und Riva del Garda führt. Der Weg ist anspruchslos, führt an den Paraglidern und einer Gaststätte vorbei und ist somit entsprechend Hauptroute vieler Besucher.
Ich suchte mir nach dem Trubel des Rundweges einen ruhigen Ort. Leicht wahnwitzig kletterte ich abseits der vielen Menschen auf ein paar Steinen nahe am Hang herum, fand einen guten Platz für ein Päuschen und genoss die Stille. Keine Autos, kein Autobahnrauschen, kein entferntes Geräusch einer Zivilisation. Hier war es einfach still. So eine Stille habe ich noch nie gehört, wenn man das überhaupt so sagen kann.
Anschließend gesellte ich mich zu den Paraglidern, um ihnen beim Abheben zuzusehen. Manchmal klappte es, manchmal mussten sie ihren Anlauf abbrechen, vielleicht weil der Wind abflaute? Auf jeden Fall fand ich es spannend zu beobachten, wie sie furchtlos den Bergrücken hinunterrannten, um sich dann sanft in die Luft zu erheben und irgendwann als kleiner Punkt Richtung Tal zu verschwinden.
Für mich persönlich war Malcesine (neben Verona) mein Highlight am Gardasee und deswegen kann ich für mich sagen, dass ein Besuch die absolut beste Entscheidung war. Ich liebte es, durch die kleinen Gassen der Altstadt zu flanieren, versteckte Orte zu entdecken und sogar für mich allein zu haben, von hier Tagesausflüge auf den Monte Baldo und nach Limone sul Garda zu unternehmen. Nicht zuletzt war ich vom (im Mai 2022) günstigen Hotel mit dem außergewöhnlich freundlichen Personal verwöhnt.
Zu dieser Jahreszeit, und möglicherweise noch den Nachwehen von Corona geschuldet, hielt sich der Tourismus zudem Grenzen, was mich positiv überraschte. Dies war tatsächlich einer meiner größten Bauchschmerz-Punkte, als ich den Urlaub plante. In Malcesine konnte ich entschleunigen, herunterfahren, genießen und würde aus meiner Perspektive sagen, dass Malcesine auf jeden Fall einen Besuch wert ist.
Über mich
Hey, ich bin Katrin, schön, dass du auf meinem kleinen Reiseblog gelandet bist. Ich bin leidenschaftlich gerne unterwegs, liebe es, neue Menschen und Orte kennenzulernen und immer wieder ein bisschen mehr von mir selbst. Der Blog richtet sich an alle, die gerne alleine reisen oder es einfach mal ausprobieren wollen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Stöbern.
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