Limone sul Garda ist bei Touristen ein besonders beliebter Ort. Für einen Tag habe auch ich die Altstadt auf eigene Faust besucht und berichte dir von Sehenswürdigkeiten und meinen persönlichen Eindrücken. Wer ein bisschen Geschichte (und Zitronen) mag, kommt hier außerdem auf seine Kosten.
Inhalte
Land: Italien
Lage: Norditalien, Westufer Gardasee
Einwohner: rund 1.140
Sehenswürdigkeiten & To-dos: u.a. Spaziergang durch die Altstadt, Tagesausflüge in die Umgebung, Limonaia del Castèl, Pfarrkirche San Benedetto, Alte Ölmühle, Fischereimuseum
Nice to know:
Während meines mehrtägigen Aufenthaltes in Malcesine plante ich einen Tagesausflug nach Limone sul Garda ein. Das kleine Örtchen liegt am Westufer des Gardasees und befindet sich nur etwas nördlich auf der gegenüberliegenden Seite von Malcesine. Öffentliche Personenfähren verbinden beide Orte mehrmals täglich und benötigen nur circa 20 Minuten ans andere Ufer. Die Kosten für ein Hin- und Rückfahrtticket betragen 13 Euro, eine einzelne Fahrt kostet 6,50 Euro (Stand: Januar 2025).
Von der Fähre aus genieße ich einen herrlichen Blick auf die erhabenen Bergkulissen des nördlichen Gardasees, auf die Scaligerburg von Malcesine und die alten Überreste der Zitronengewächshäuser von Limone.
Das Besondere an Limone sul Garda ist, dass es terrassenförmig an eine steile Bergwand gebaut wurde. Die Häuser und ehemaligen Zitronengärten schmiegen sich eng an die Felswände. Dadurch bilden sich im Ort steile Gässchen, die die Bewohner liebevoll gestaltet und mit vielen Blumen geschmückt haben.
Rund 1.140 Menschen leben in dem ehemaligen Fischerdorf, das heute ein absoluter Touristenmagnet ist: In den Sommermonaten überschwemmen täglich 10.000 Touristen die Altstadt Davon habe ich bereits eine kleine Vorahnung erhalten dürfen, ich war an einem Mittwoch Mitte Mai dort.
Auch wenn Limone sul Garda heute für seine Zitronen bekannt ist und an nahezu jeder Straßenecke entsprechende Souvenirs verkauft werden, ist die Herkunft des Ortsnamens nicht zu hundert Prozent geklärt. Der Name leitet sich auf jeden Fall
nicht vom Zitronenbau ab. Bereits im 10. Jahrhundert soll der Name
Limon in vielen Urkunden auftauchen. Möglich ist, dass sich der Name von
lima
im Sinne von Fluss ableitet oder von
limes
im Sinne von Grenze.
In Limone sul Garda erwartet mich genau das, was der Ortsname verspricht: Zitronen. Zitronenlikör, Zitronenmarmelade, Souvenirs aller Art mit Zitronenmotiven wie etwa Wandkacheln, Postkarten, Handtücher und Zitronen zum Verzehr. Auch viele Tische und Menükarten in Restaurants sind mit Zitronenmotiven bedruckt, ebenso die Straßenschilder und Hausnummern. Mehr Marketing geht nicht! Doch warum ist das so?
Die Zitronen begleiten Limone schon seit mehreren Jahrhunderten. Mönche des San Francesco Klosters in Gargnano weiter südlich am Gardasee führten Zitronen bereits im 13. Jahrhundert ein. Von hier aus verbreitete sich deren Anbau am Gardasee, über den wiederum viele Reisende im Mittelalter berichteten. Ab dem 17. Jahrhundert entstanden die ersten Gewächshäuser. Obwohl das Klima auch in Limone mild genug war, um Zitrusfrüchte anzubauen, konnten die Winter zu kalt für die Früchte werden.
Die damals neuartigen Gebäude aus Mauern, Pfeilern, Balken, Treppen und Terrassen wurden während der kalten Jahreszeit mit Brettern und Verglasungen verschlossen. Sie prägten zudem das Landschaftsbild neu und fanden auch bei Goethe Erwähnung, als er den Gardasee bereiste.
Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Limone das nördlichste Anbaugebiet von Zitrusfrüchten für kommerzielle Zwecke. Doch verschiedene Krisen, Konkurrenz aus dem Süden sowie die Entwicklung von synthetischer Zitronensäure läuteten das Ende der wirtschaftlichen Blütezeit ein und machten den Anbau von Zitrusfrüchten zunehmend unrentabler. Der 1. Weltkrieg sowie der außergewöhnlich kalte Winter 1928/29 bedeuteten das endgültige Aus.
Am Gardasee sind zwar noch die Spuren der historischen Gewächshäuser zu finden, etwa die steinernen Säulen und Terrassen, doch nur wenige Zitronenplantagen sind noch erhalten oder werden wieder auf traditionelle Weise bewirtschaftet.
Eines dieser Gewächshäuser ist die Limonaia del Castèl. Sie liegt etwas versteckt oberhalb der Altstadt von Limone, doch der Weg dorthin ist ausgeschildert. Das Gewächshaus ist heute ein Museum, erstreckt sich über mehrere Terrassen und kostet einen Eintritt von lediglich zwei Euro.
Der Bau geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Um das Erbe der Vergangenheit aufzuwerten, kaufte die Stadtverwaltung 1995 die Limonaia und machte sie wieder nutzbar. Seitdem sind die Terrassen für alle begehbar, das Wassersystem wurde hergestellt und die Geräteschuppen wurden für die Bewirtschaftung neu eingerichtet. Über hundert Zitrusbäume wurden gepflanzt, darunter sind nicht nur Zitronen, sondern beispielsweise auch Kumquats, Mandarinen und Orangen. Jeder Besucher kann sich über die Geschichte des Zitronenanbaus informieren und die schmalen Terrassen entlangschlendern.
Die Limonaia ist von Limones Altstadt aus bequem zu Fuß zu erreichen. In den Boden gelassene Wegweiser aus Keramik weisen Touristen in regelmäßigen Abständen den Weg. Ich habe diese eher zufällig entdeckt und bin ihnen aus Neugierde gefolgt. Die Altstadt empfand ich zwar als sehr hübsch, doch war sie mir zu überlaufen. Enge Gassen mit Menschenmassen bedeuten für mich immer Stress, deswegen war dies eine willkommene Fluchtmöglichkeit aus dem ganzen Trubel.
Die Belohnung folgte prompt. Es wurde schnell leerer, tatsächlich spielte sich der Tourismus gefühlt unten in der Altstadt ab. Zwar wusste ich zugegeben nicht so richtig, was mich am Ende des Wegweisers erwartete. Das Gewächshaus mit dem Blick über die Dächer von Limone auf den Gardasee war am Ende jedoch mein Highlight des Tages.
Außerdem haben sich zu meiner Überraschung nur wenige Touristen hierhin verirrt. Das Phänomen, das tendenziell eher wenige Touristen Museen/ historische Stätten zu besuchen scheinen, wie etwa die Scaligerburg in Malcesine, die Römer-Villa in Sirmione oder jetzt hier, begegnete mir während meines Aufenthaltes am Gardasee häufig. Dabei gab es gerade hier meiner Meinung nach am meisten zu entdecken – plus viele stille Momente, zumindest als ich dort war.
Mit der Geschichte liegt es nahe, dass sich Limone den Zitronen verschrieben hat. Ich finde es dennoch einen witzigen Dreh, dass der Ortsname historisch gesehen nichts mit den Zitrusfrüchten zu tun hat, heute jedoch so eng damit verbunden ist.
Doch Limone hat noch viel mehr zu bieten als Zitronen. Ich liste dir mal einige weitere Sehenswürdigkeiten auf. Ich selbst habe mir während des Tagesausfluges nicht alle angesehen, aber sollte ich irgendwann noch einmal nach Limone sul Garda kommen, dann stehen sie auf jeden Fall auf meiner To-do-Liste.
Für alle, die einfach ein bisschen bummeln und sich treiben lassen möchten, ist die Altstadt von Limone genau richtig. Stell dich darauf ein, dass es hier voll und drängelig werden kann. Wenn dich das nicht stört, dann findest du zahlreiche kleine, hübsche Läden beispielsweise mit Schmuck, Kleidung, Taschen, den üblichen Souvenirs sowie unzähligen Restaurants und Eisläden. Genieße das mediterrane Flair und lasse die Umgebung auf dich wirken.
Neben Zitrusfrüchten wachsen dank des milden Klimas auch Oliven am Gardasee. Der Anbau der kleinen Früchte erlebte ebenfalls seine goldenen Zeiten, wurde jedoch ähnlich wie bei den Zitrusfrüchten durch die starke Konkurrenz vom Mittelmeer und die hohen Produktionskosten seit den Nachkriegsjahren immer weniger wettbewerbsfähig. Die Tradition des Olivenanbaus ist dennoch erhalten geblieben. In der Alten Ölmühle wird mit Steinen kaltgepresstes natives Olivenöl von Bauern hergestellt. Die Mühle kannst du eintrittsfrei in den Sommermonaten besuchen.
Wenn du dich für die alten Berufe und Traditionen rund um den Gardasee von Limone interessierst, ist vielleicht das Fischereimuseum interessant. Dort hält die Gemeindeverwaltung die Erinnerung an vergangene Zeiten lebendig, etwa mit Fotos, Ausstellungsstücken und verschiedenen Materialien.
Neben weiteren Museen findest du in Limone sul Garda Kirchen, Kapellen sowie Fresken, Kreuze und Bildstöcke, welche von der einstigen Religiosität des Ortes zeugen. Wenn du die Augen offen hältst, findest du sie an Fassaden oder entlang der Straßen.
Nachdem ich in der Limonaia war, lief ich oberhalb der Altstadt ein wenig herum, genoss den Ausblick, schlenderte durch die hübschen, schmalen Straßen und ging wieder hinunter in die überfüllte Altstadt. Hier aß ich noch eine Kleinigkeit, sah dem Trubel zu und nahm bald eine Fähre zurück Malcesine.
Limone sul Garda gilt mit seiner Altstadt als einer der schönsten Orte am Gardasee. Allerdings liest man das über viele Orte dort und jeder hat seinen eigenen Charme. Limone hat auch mir gefallen, aber ich habe mich aufgrund des touristischen Aufkommens zu sehr hetzen lassen. Das Highlight war für mich persönlich nicht die Altstadt, sondern die Limonaia del Castèl.
Die sich am Felsen hochschlängelnden Häuser wirken für mich persönlich vom Hafen aus fast erdrückend, dabei kann ich mir vorstellen, dass genau dieser Eindruck bei vielen Besuchern Faszination auslöst. Am Ende ist aber alles Geschmackssache und 10.000 Touristen täglich sprechen für sich. Für mich persönlich war die Entscheidung genau richtig, nicht in Limone zu übernachten, sondern am Ostufer und für einen Tagesausflug nach Limone sul Garda zu fahren.
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